Wissen für Therapeutinnen und Therapeuten
Physiotherapeut im Krankenhaus oder in der Praxis: Gehalt, Taktung und was sich ändert
Im Krankenhaus des öffentlichen Dienstes werden Physiotherapeuten nach der Entgeltordnung VKA je nach Aufgabe in E7 bis E9b eingruppiert. Die Stufen sind öffentlich und nicht verhandelbar, in der Praxis gilt meist ein Haus- oder Einzelvertrag. In der Janke-Befragung 2018 waren 61 Prozent der Krankenhaus-Beschäftigten mit ihrem Beruf zufrieden. Beim FPZ Halle ist die Physiotherapeutenstelle mit 3.400 bis 4.000 Euro brutto im Monat in Vollzeit ausgeschrieben.
- Herausgegeben von: Redaktion FPZ Rückentherapie Halle · Therapeutisches Team
- Aktualisiert am
- 8 Minuten Lesezeit
- 25 Min.
- Richtwert Krankengymnastik, oberer Wert
- 15 bis 25 Minuten laut Leistungsbeschreibung - andere Taktung als in der Klinik
- 56 %
- bleiben höchstens sechs Jahre
- der Wechsel selbst ist in dieser Branche der Normalfall
Quelle: Leistungsbeschreibung zum Vertrag nach § 125 Abs. 1 SGB V; Janke, Therapie und Praxis 5/2018.
Was ändert sich beim Wechsel von der Klinik in die Praxis?
Drei Dinge ändern sich sofort: die Taktung, die Verlaufskontinuität und die Vergütungslogik. Sie begleiten dieselben Patienten über Wochen statt über wenige Akuttage, arbeiten dafür in kürzeren Einheiten und in vielen Häusern ohne Tarifvertrag. Alles Übrige hängt am einzelnen Arbeitgeber.
Auf diese Unterscheidung kommt es an. „Klinik“ und „Praxis“ sind zwei Rahmen, in denen sehr unterschiedliche Häuser arbeiten, mit festen Eigenschaften hat das wenig zu tun. Vergleichbar wird es erst, wenn Sie die vier Größen nebeneinanderlegen, die den Alltag tatsächlich bestimmen.
| Was Sie vergleichen | Klinik | Praxis |
|---|---|---|
| Vergütung | häufig Tarif, im öffentlichen Dienst E7 bis E9b | Haus- oder Einzelvertrag, Tarif selten |
| Patientenkontakt | wenige Tage in der Akutphase | Wochen bis Monate über den Verlauf |
| Arbeitszeit | Schicht-, Wochenend- und Feiertagsdienste | Kernzeit mit Stoßzeit am späten Nachmittag |
| Indikationen | breit, von der Intensivstation bis zur Geriatrie | Schwerpunkt des Hauses |
Wer den Wechsel erwägt, tauscht also eine Sorte Belastung gegen eine andere. Welche Sorte besser zu Ihnen passt, entscheidet sich an den Punkten in den folgenden Abschnitten.
Was spricht für die Klinik - und was geben Sie dort auf?
Für die Klinik sprechen Planbarkeit, Tarifbindung und Breite. Der öffentliche Dienst gruppiert Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten nach der Entgeltordnung VKA je nach Aufgabe in E7 bis E9b ein; die Stufen sind öffentlich einsehbar und nicht verhandelbar. Sie wissen also vor der Unterschrift, was in fünf Jahren auf dem Konto liegt.
Die Entgeltordnung koppelt die Eingruppierung an das, was Sie tun. Eingruppierungen oberhalb von E7 setzen einen Anteil an sogenannten schwierigen Aufgaben voraus - dazu zählen etwa Behandlungen nach Lungen- und Herzoperationen, bei Querschnittslähmung, in Psychiatrie und Geriatrie oder bei Kleinkindern. Fachliche Breite ist im Tarif damit unmittelbar an Geld gekoppelt, was in kaum einer Praxis so mechanisch funktioniert.
Auch die Berufszufriedenheit spricht nicht gegen die Klinik. In der Befragung von Ingmar Frederik Janke, veröffentlicht 2018 in der Fachzeitschrift Therapie und Praxis unter dem Titel „Arbeitszufriedenheit von Physiotherapeuten in der Bundesrepublik Deutschland“, waren 61 Prozent der im Krankenhaus Beschäftigten mit ihrem Beruf zufrieden; in den übrigen Gruppen lagen die Werte im Bereich um 50 Prozent. Die Erhebung beruht auf 1.017 Antworten aus einem Online-Fragebogen, ist also keine Zufallsstichprobe.
Was Sie aufgeben, steht auf der anderen Seite derselben Rechnung. Der Schichtdienst greift in Wochenenden und Feiertage. Die Fallzahl ist hoch, weil die Station belegt bleibt, unabhängig davon, wie Ihr Tag läuft. Und der Kontakt endet mit der Entlassung: Sie mobilisieren am dritten postoperativen Tag und erfahren nie, ob der Patient nach zwölf Wochen wieder Treppen steigt. Wer aus dieser fehlenden Rückmeldung aussteigen will, wechselt aus dem richtigen Grund.
Was spricht für die Praxis - und wo sitzt dort der Druck?
Für die Praxis spricht der lange Verlauf. Sie sehen denselben Menschen über Wochen, korrigieren Ihre Befundhypothese am realen Ergebnis und tragen die Behandlung von der ersten Einheit bis zum Abschluss. Dazu kommt Gestaltungsspielraum: Wie Sie behandeln, entscheiden in vielen Häusern Sie.
Diese Selbstbestimmung ist auch in der Janke-Befragung sichtbar. 65 Prozent der Befragten gaben an, sich in ihrem Beruf selbst verwirklichen zu können - ein Wert, der deutlich über der Zufriedenheit mit Bezahlung und Aufstieg liegt. Der Beruf selbst trägt; die Rahmenbedingungen sind das Problem.
Der Druck in der Praxis hat drei Quellen. Die erste ist die Taktung: Der Terminplan ist eng, und jede Verzögerung wandert in den Rest des Tages. Die zweite ist die Abrechnung. Eine Heilmittelverordnung muss nach der Heilmittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses in der Regel innerhalb von 28 Kalendertagen nach dem Ausstellungsdatum begonnen werden, sonst verfällt sie. Formfehler und abgesagte Termine kosten die Praxis damit Geld, und diesen Druck spüren Sie im Rücken. Die dritte ist das Fehlen eines Tarifs: Was Sie verdienen und wie Sie sich entwickeln, steht in Ihrem Vertrag und nirgends sonst.
Bei einem Praxiswechsel zählt die Vorbereitung auf das Gespräch mehr als bei einem Klinikwechsel. Im Tarif lesen Sie die Bedingungen nach. In der Praxis müssen Sie sie erfragen.
Wie viel Zeit bleibt am Patienten?
Die Leistungsbeschreibung zum Vertrag nach Paragraf 125 Absatz 1 SGB V, Fassung gültig ab 1. Dezember 2024, nennt für die allgemeine Krankengymnastik als Einzelbehandlung eine Regelbehandlungszeit von 15 bis 25 Minuten als Richtwert. Für Manuelle Therapie gilt derselbe Rahmen. Krankengymnastik am Gerät liegt bei 60 Minuten, wobei bis zu drei Patienten parallel als Einzelbehandlung betreut werden.
Diese Zahlen sind der Grund, warum sich der Wechsel für viele zunächst wie eine Verengung anfühlt. Zwanzig Minuten sind eine kurze Zeit für Anamnese, Behandlung und Dokumentation, und der Richtwert deckt keine Wegezeiten und keinen Umkleidevorgang ab.
Sie sind aber auch der Hebel, an dem sich Arbeitgeber unterscheiden. Ob die Praxis die 20-Minuten-Einheit als Standard fährt oder längere Einheiten ansetzt, ob eine Rezeption die Terminplanung übernimmt oder Sie zwischen zwei Patienten das Telefon abnehmen: Das regelt der Dienstplan, kein Vertrag mit den Kassen. Fragen Sie danach, bevor Sie unterschreiben, nicht in der zweiten Woche.
Warum verlassen so viele Therapeuten ihren Arbeitgeber nach wenigen Jahren?
Weil die Perspektive fehlt, nicht die Zufriedenheit. In der Janke-Befragung von 2018 sahen 74 Prozent der Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten keine Möglichkeit, beruflich aufzusteigen. 63 Prozent gaben an, es sei nicht möglich, für einen bestimmten Bereich Verantwortung zu übernehmen. Nur 24 Prozent bewerteten die Entwicklungsmöglichkeiten als gut.
Die Fluktuationszahlen passen dazu. 56 Prozent der Befragten gaben eine Betriebszugehörigkeit von höchstens sechs Jahren an, nur 7 Prozent blieben länger als 20 Jahre beim selben Arbeitgeber - und das, obwohl 90 Prozent unbefristet beschäftigt waren. Sicherheit war also vorhanden. Was fehlte, war ein nächster Schritt.
Beim Lesen von Stellenanzeigen hilft eine Regel: Wertschätzung und gutes Betriebsklima verspricht fast jede Praxis. Unterscheidbar wird ein Arbeitgeber erst über Dinge, die man nachprüfen kann: Wer zahlt die Fortbildung, wer stellt dafür frei, wie lange dauert die Einarbeitung, welchen Bereich dürfen Sie führen.
Welche Fragen klären Sie vor der Unterschrift?
Sechs Fragen entscheiden über den Alltag, und keine davon beantwortet sich von selbst. Stellen Sie sie im Gespräch, konkret und mit Zahlen - ein Arbeitgeber, der sie nicht beantworten kann, hat die Antwort noch nicht durchdacht.
- Wie lang ist eine Behandlungseinheit, und wie viele Patienten werden parallel betreut?
- Wer trägt die Fortbildungskosten, wer stellt frei, und wie viele Tage sind es pro Jahr?
- Wie läuft die Einarbeitung ab: wer begleitet, wie lange, mit welchem Ziel?
- Gibt es einen Bereich, für den ich Verantwortung übernehmen kann?
- Behandle ich nach eigenem Befund oder nach einem Hausschema?
- Wer übernimmt Terminplanung, Rezeptprüfung und Telefon?
Die letzte Frage wird am häufigsten vergessen und wirkt am stärksten. Verwaltung, die an den Therapeuten hängen bleibt, kostet jeden Tag Zeit, die in keinem Vertrag steht.
Wie ist das bei FPZ Halle geregelt?
Bei der FPZ-Rückentherapie Halle sind mehrere dieser Punkte durch das Konzept vorgegeben und nicht Verhandlungssache. Eine Behandlung dauert bis zu 60 Minuten, die FPZ-Eingangsanalyse 90 Minuten in Eins-zu-eins-Betreuung, und ein Therapeut betreut höchstens drei Patienten gleichzeitig. Das Haus arbeitet seit über 17 Jahren in Halle mit über 20 Therapeutinnen und Therapeuten jeder Altersstufe.
Zur Verwaltung: Die Rezeption ist mit Team-Assistenten besetzt, Terminplanung und Rezeptformalien liegen dort. Behandelt wird evidenzbasiert und ohne Massagetherapie, die Gestaltung der eigenen Behandlungsansätze ist frei. Fachlicher Austausch ist getaktet, nicht dem Zufall überlassen: Patienten- und Teambesprechungen finden wöchentlich statt. Im selben Haus arbeitet mit Christian Hellmann ein Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin als Kooperationsarzt, der Weg vom Befund zur ärztlichen Rückfrage ist damit kurz.
Bei der Fortbildung übernimmt FPZ Halle die Kosten vollständig - genannt sind unter anderem Krankengymnastik am Gerät, Manuelle Therapie, Lymphdrainage und die FPZ Therapie -, wahlweise auch mehrere im selben Jahr. Dazu kommen 25 und mehr Urlaubstage sowie je nach Umfang fünf Fortbildungstage pro Jahr, Leistungszulagen, ein Benefit-Paket aus Tankgutschein, Deutschlandticket, monatlichem Sachbezug, Essengutscheinen, Zuschüssen zu Kita und Verpflegung, Jobfahrrad, Erholungsbeihilfe, kostenfreiem Parkplatz, kostenfreier IMT-Mitgliedschaft und Zuschüssen zur FPZ Betriebsrente sowie verschiedene Arbeitszeitmodelle für unterschiedliche Lebenslagen. Geöffnet ist Montag bis Freitag von 07:00 bis 21:00 Uhr, ausschließlich nach Terminabsprache - das ist der Rahmen, in dem die Dienstpläne entstehen.
Beim Gehalt gilt kein Tarif. Die Stelle als Physiotherapeut:in ist mit 3.400 bis 4.000 Euro brutto im Monat in Vollzeit ausgeschrieben, auf 40 Wochenstunden gerechnet rund 19,60 bis 23,10 Euro pro Stunde, dazu Leistungszulagen. Samstagsdienste gibt es keine. Was davon netto bleibt, rechnet der Gehaltsrechner aus. Die offenen Stellen und der direkte Kontakt stehen unter /karriere/; Rückfragen beantwortet das Team unter 0345 29 89 633.
Häufige Fragen dazu
Verdient man in der Klinik mehr als in der Praxis?
Häufiger nach Tarif, ja - eine allgemeingültige Zahl gibt es trotzdem nicht. Die Entgeltordnung VKA gruppiert Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten je nach Aufgabe in E7 bis E9b ein.
Wie lange dauert eine Behandlungseinheit in der Praxis?
Für die allgemeine Krankengymnastik als Einzelbehandlung nennt die Leistungsbeschreibung zum Vertrag nach Paragraf 125 Absatz 1 SGB V, Fassung gültig ab 1. Dezember 2024, einen Richtwert von 15 bis 25 Minuten. Krankengymnastik am Gerät liegt bei 60 Minuten, wobei bis zu drei Patienten parallel als Einzelbehandlung betreut werden.
Verliere ich beim Wechsel in die Praxis das breite Indikationsspektrum?
Das Spektrum wird schmaler, die Verläufe werden länger. Eine Praxis bildet ihren Schwerpunkt ab und nicht die gesamte Akutversorgung eines Hauses. Dafür sehen Sie denselben Patienten über Wochen und erleben, ob Ihre Befundhypothese trägt - eine Rückmeldung, die im Akutbett meist mit der Entlassung abreißt.
Woran erkenne ich einen guten Praxisarbeitgeber?
Nicht an Selbstbeschreibungen. Ein gutes Betriebsklima verspricht fast jede Anzeige, es unterscheidet deshalb keinen Arbeitgeber vom anderen. Aussagekräftig sind Taktung, Fortbildungsbudget, Einarbeitung und die Frage, ob es einen Bereich mit echter Verantwortung gibt.
Lohnt sich der Wechsel schon nach wenigen Berufsjahren?
Er ist jedenfalls der Normalfall. 56 Prozent der Befragten gaben eine Betriebszugehörigkeit von höchstens sechs Jahren an, nur 7 Prozent blieben länger als 20 Jahre beim selben Arbeitgeber (Janke, Therapie und Praxis 5/2018). Wichtiger als der Zeitpunkt ist die Frage, ob das neue Haus die Punkte anders löst, die Sie im alten stören.
Was verdient ein Physiotherapeut im Krankenhaus?
Im Krankenhaus des öffentlichen Dienstes richtet sich das Gehalt nach dem Tarif. Die Entgeltordnung VKA gruppiert Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten je nach Aufgabe in E7 bis E9b ein. Höhere Gruppen als E7 setzen einen Anteil schwieriger Aufgaben voraus, etwa nach Lungen- und Herzoperationen, bei Querschnittslähmung, in Psychiatrie oder Geriatrie. Die Beträge je Stufe sind öffentlich einsehbar.
Was verdient ein Physiotherapeut beim FPZ Halle im Vergleich zur Klinik?
Die Physiotherapeutenstelle beim FPZ Halle ist mit 3.400 bis 4.000 Euro brutto im Monat in Vollzeit ausgeschrieben, auf 40 Wochenstunden gerechnet rund 19,60 bis 23,10 Euro pro Stunde. Einen Tarif gibt es nicht. Dazu kommen Leistungszulagen, vollständig bezahlte Fortbildungen, fünf Fortbildungstage und 25 und mehr Urlaubstage. Samstagsdienste gibt es keine.