Wissen für Therapeutinnen und Therapeuten
Die ersten Wochen in einer neuen Praxis: woran gute Einarbeitung erkennbar ist
Der Vermittlungsdienst TheraTalent nennt ein schlechtes Onboarding als Hauptkündigungsgrund in der Physiotherapie - nicht das Gehalt. Eine belastbare Einarbeitung besteht aus drei Dingen: einer festen Ansprechperson, einer Phase mit reduzierter Terminlast und einem wiederkehrenden Termin, an dem Fälle besprochen werden. Fehlt eines davon, wird aus Einarbeitung ein Sprung ins kalte Wasser.
- Herausgegeben von: Redaktion FPZ Rückentherapie Halle · Therapeutisches Team
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- Bestandteile einer belastbaren Einarbeitung
- feste Ansprechperson, reduzierte Terminlast, wiederkehrende Fallbesprechung
- 56 %
- bleiben höchstens sechs Jahre
- ein schlechtes Onboarding gilt als häufigster Grund - vor dem Gehalt
Quelle: TheraTalent, Leitfaden für Praxen; Janke, pt Zeitschrift für Physiotherapeuten 5/2018.
Der Befund, der die meisten überrascht
Wer in der Physiotherapie nach Kündigungsgründen fragt, bekommt fast immer dieselbe Antwort: das Geld.
Nur: Das ist der Grund, aus dem Menschen den Beruf verlassen. Der Grund, aus dem sie die Stelle verlassen, ist ein anderer. Der auf Therapeutenvermittlung spezialisierte Dienst TheraTalent nennt als Hauptkündigungsgrund ausdrücklich ein schlechtes Onboarding.
Das ist eine gute Nachricht für Bewerberinnen und Bewerber, denn Onboarding lässt sich vor der Zusage prüfen. Gehalt verhandeln Sie einmal. Wie die ersten Wochen laufen, merken Sie jeden Tag.
Was eine Einarbeitung tragfähig macht
Eine feste Ansprechperson, nicht „das Team“
„Sie können jeden fragen“ klingt offen und bedeutet in der Praxis: Sie fragen niemanden. Wer neu ist, will nicht bei jedem Vorgang jemanden aus einer Behandlung reißen. Eine benannte Person, die weiß, dass sie zuständig ist, senkt diese Hemmschwelle.
Fragen Sie im Gespräch nach dem Namen. Wenn keiner genannt werden kann, gibt es die Rolle nicht.
Reduzierte Terminlast in den ersten Wochen
Der wichtigste Unterschied zwischen einer Einarbeitung und einem Sprung ins kalte Wasser ist nicht die Zahl der Erklärungen, sondern der Kalender. Wer ab dem ersten Tag voll verplant ist, lernt nichts über das Haus - er lernt nur, wie man Zeit aufholt.
Die konkrete Frage lautet deshalb nicht „gibt es eine Einarbeitung“, sondern: wie viele Termine stehen in Woche eins im Kalender, und wie viele nach vier Wochen? Die Antwort ist eine Zahl oder eine Ausrede.
Ein wiederkehrender Termin für Fälle
Fachliche Sicherheit entsteht nicht durch Einweisungen, sondern durch Fälle, über die gesprochen wird. Ein fester wöchentlicher Termin, in dem Patientinnen und Patienten besprochen werden, ist das wirksamste Einarbeitungsinstrument, das eine Praxis hat - und gleichzeitig das, was in ausgelasteten Betrieben zuerst gestrichen wird.
Wenn es diesen Termin gibt, fragen Sie, wann er zuletzt stattgefunden hat.
Die Perspektivfrage, die direkt daneben liegt
Onboarding und Perspektive hängen zusammen. Die Janke-Untersuchung zeigt, wie dünn es an dieser Stelle in der Branche aussieht: 74 Prozent sehen keine Möglichkeit, beruflich aufzusteigen, und für viele gibt es keinen Bereich, für den sie Verantwortung übernehmen können. Fehlende Perspektiven sind ein häufiger Wechselgrund.
Das ist der zweite Grund, warum die ersten Wochen zählen: In ihnen entscheidet sich, ob Sie ein Feld bekommen, das Ihnen gehört - ein Gerät, eine Indikation, eine Gruppe, ein Thema. Wer nach sechs Monaten immer noch nur den Kalender abarbeitet, den man ihm füllt, geht nach zwei Jahren.
Fragen Sie deshalb im Gespräch auch: Wofür wäre ich hier nach einem Jahr zuständig?
Fünf Fragen für das Gespräch
- Wer ist in den ersten Wochen meine feste Ansprechperson?
- Wie viele Termine habe ich in der ersten Woche, wie viele nach einem Monat?
- Gibt es einen wiederkehrenden Termin für Fallbesprechungen - und wann war der letzte?
- Wer zeigt mir Befundung und Dokumentation, und nach welchem Standard?
- Wer hat hier zuletzt angefangen, und wie ist die Einarbeitung bei dieser Person gelaufen?
Die fünfte Frage ist die unangenehmste und die aussagekräftigste. Sie lässt sich nicht mit einem Konzept beantworten, sondern nur mit einem Fall.
Wie es beim FPZ Halle läuft
Die Einarbeitung läuft über Hospitation: zusehen, mitarbeiten, Schritt für Schritt übernehmen. Einmal pro Woche gibt es eine Patienten- und Teambesprechung, in der Fälle gemeinsam durchgegangen werden - das ist der wiederkehrende Termin aus Punkt drei.
Danach gestalten Sie Ihre Behandlungsansätze frei, mit den Möglichkeiten des Hauses: über 40 spezialisierte Großgeräte, über 15 Messsysteme mit mehr als 40 Messparametern. Die FPZ Therapie selbst setzt eine Zertifizierung voraus, deren Kosten übernommen werden.
Und der Rahmen, in dem das stattfindet, ist nicht der übliche: Eine FPZ-Therapieeinheit dauert 60 Minuten, die Eingangsanalyse 90 Minuten in Einzelbetreuung, und während des gerätegestützten Trainings betreut ein Therapeut höchstens drei Personen gleichzeitig. Einarbeitung in einem 20-Minuten-Takt ist etwas anderes als Einarbeitung in Stunden-Einheiten.
Häufige Fragen dazu
Was ist der häufigste Kündigungsgrund in der Physiotherapie?
Der auf die Vermittlung von Therapeuten spezialisierte Dienst TheraTalent nennt ausdrücklich ein schlechtes Onboarding als Hauptkündigungsgrund, nicht ein zu niedriges Gehalt. Das deckt sich mit der Bindungsdauer in der Branche: 56 Prozent der Befragten geben eine Betriebszugehörigkeit von höchstens sechs Jahren an, nur 7 Prozent bleiben über 20 Jahre.
Wie lange sollte eine Einarbeitung dauern?
Es gibt keine gesetzliche Vorgabe. Entscheidend ist nicht die Zahl der Wochen, sondern ob die Terminlast in dieser Zeit reduziert ist. Eine Einarbeitung, in der Sie ab dem ersten Tag den vollen Kalender haben, ist keine.
Was ist Hospitation in der Physiotherapie?
Sie begleiten erfahrene Kolleginnen und Kollegen bei der Behandlung, arbeiten schrittweise mit und übernehmen dann selbst. Der Vorteil gegenüber einer reinen Geräteeinweisung: Sie sehen, wie im Haus befundet, dokumentiert und mit Patienten gesprochen wird - das steht in keinem Handbuch.
Welche Fragen sollte ich im Bewerbungsgespräch zur Einarbeitung stellen?
Wer ist meine feste Ansprechperson in den ersten Wochen? Wie viele Termine habe ich in Woche eins, wie viele nach einem Monat? Gibt es einen wiederkehrenden Termin für Fallbesprechungen? Wer zeigt mir die Dokumentation? Und: Wer war die letzte Person, die hier angefangen hat, und wie lief es bei ihr?
Wie läuft die Einarbeitung beim FPZ Halle?
Über Hospitation: zusehen, mitarbeiten, Schritt für Schritt übernehmen. Einmal pro Woche gibt es eine Patienten- und Teambesprechung, in der Fälle gemeinsam durchgegangen werden. Die Behandlungsansätze gestalten Sie danach frei, mit den Möglichkeiten des Hauses.