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Bewerbungsgespräch in der Physiotherapie: die Fragen, die den Arbeitgeber verraten

Im Bewerbermarkt Physiotherapie entscheidet nicht, ob Sie die Stelle bekommen, sondern ob Sie sie wollen. 73 Prozent der Praxen haben offene Stellen, im Schnitt fehlen 1,7 Mitarbeitende je Praxis. Nutzen Sie das Gespräch deshalb zur Prüfung: Taktung, Einarbeitung, Fortbildungsbudget und Dienstplanvorlauf sind die vier Punkte, an denen sich Arbeitgeber real unterscheiden.

  • Herausgegeben von: Redaktion FPZ Rückentherapie Halle · Therapeutisches Team
  • Aktualisiert am
  • 8 Minuten Lesezeit
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Fragen, die den Arbeitgeber verraten
vier davon unterscheiden real, der Rest lohnt sich trotzdem
47 %
bewerten ihre Therapiezeit als positiv
mehr als die Hälfte findet sie mittelmäßig oder nicht ausreichend
71,3 %
erwarten die Einladung binnen zwei Wochen
27,6 % der Arbeitgeber brauchen länger als vier

Quelle: Janke (2018), Untersuchung zur Arbeitszufriedenheit von Physiotherapeuten in Deutschland; softgarden Bewerbungsreport / Candidate Experience Studie.

Wer hier wen prüft

73 Prozent der Physiotherapiepraxen haben offene Stellen, im Schnitt fehlen 1,7 Mitarbeitende je Praxis. In Halle und Sachsen-Anhalt waren zuletzt allein auf einer einzigen Jobplattform 81 offene Physiotherapie-Stellen ausgeschrieben.

Das verschiebt die Rollen im Gespräch. Die fachliche Prüfung ist meist in zehn Minuten erledigt. Der eigentliche Teil ist der, in dem Sie herausfinden, ob dieser Arbeitgeber das hält, was die Anzeige verspricht - und dafür brauchen Sie Fragen, die sich nicht mit „wir sind ein tolles Team“ beantworten lassen.

Denn genau das sagt fast jede Anzeige. Ein gutes Team ist die Grundvoraussetzung, nicht das Unterscheidungsmerkmal - danach fragen Sie nach dem, 83 Prozent erhalten Anerkennung. Ein Arbeitgeber, der mit einem netten Team wirbt, sagt nichts, was der Wettbewerber nicht auch sagen könnte.

Die vier Fragen, die wirklich unterscheiden

1. „Wie lang ist eine Behandlungseinheit, und wie viele Termine stehen an einem vollen Tag?“

Das ist die härteste Zahl im Gespräch. Die Leistungsbeschreibung zum Vertrag nach Paragraf 125 SGB V nennt für Krankengymnastik und Manuelle Therapie einen Richtwert von 15 bis 25 Minuten. Wo innerhalb dieser Spanne terminiert wird, ist eine betriebliche Entscheidung. Ein 20-Minuten-Takt ergibt rechnerisch bis zu 24 Termine an einem Achtstundentag.

Zur Einordnung der Antwort: Zur Therapiezeit sagen 47 Prozent „positiv“, 31 Prozent „mittelmäßig“, 22 Prozent „nicht ausreichend“. Mehr als die Hälfte liegt also unter gut.

2. „Wer ist in den ersten Wochen meine Ansprechperson, und wie viele Termine habe ich in Woche eins?“

Ein schlechtes Onboarding gilt Vermittlungsdiensten als Hauptkündigungsgrund in der Physiotherapie - vor dem Gehalt. Beide Teile der Frage brauchen eine konkrete Antwort: ein Name und eine Zahl. „Wir arbeiten Sie natürlich ein“ ist keine.

3. „Wie hoch ist das Fortbildungsbudget, und welche Bindung ist damit verbunden?“

Die erste Hälfte der Frage wird gern beantwortet, die zweite selten von allein. Beide gehören zusammen: Eine Manuelle Therapie kostet 3.500 bis 6.500 Euro - wer sie bezahlt, vereinbart in der Regel eine Bindung. Zulässig ist sie nur, wenn die Bindungsdauer zur Fortbildungsdauer passt, nach Kündigungsgrund unterschieden wird und der Betrag zeitanteilig abschmilzt.

Fragen Sie außerdem, ob Kurstage Urlaubstage kosten. Das ist ein häufiger, unangenehmer Punkt, der sich vorher klären lässt.

4. „Wie weit im Voraus steht der Dienstplan?“

Über die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben entscheidet weniger die Stundenzahl als die Planbarkeit. Der Dienstplanvorlauf ist der Stellhebel, der darüber am meisten entscheidet - mehr als die Zahl der Wochenstunden. Bei Öffnungszeiten von 07:00 bis 21:00 Uhr ist der Unterschied zwischen vier Wochen Vorlauf und wöchentlichem Wechsel erheblich.

Zehn weitere Fragen, die sich lohnen

  1. Mit welchen Indikationen arbeite ich hier überwiegend?
  2. Wie wird befundet, und nach welchem Standard wird dokumentiert?
  3. Gibt es eine feste Fallbesprechung im Team, und wann war die letzte?
  4. Wofür wäre ich nach einem Jahr zuständig?
  5. Wie viele Kolleginnen und Kollegen haben in den letzten zwei Jahren gekündigt, und warum?
  6. Wer übernimmt Terminorganisation, Telefon und Rezeptprüfung?
  7. Wie werden Ausfälle und Krankheitsvertretungen geregelt?
  8. Sind Hausbesuche Teil der Stelle, und wie wird Fahrzeit vergütet?
  9. Welche Geräte stehen zur Verfügung, und darf ich sie außerhalb der Behandlungszeiten nutzen?
  10. Wann bekomme ich eine Rückmeldung - an welchem Datum?

Frage 9 ist die, die am meisten verrät. Eine ehrliche Antwort darauf kennt jeder Praxisinhaber, und die Art, wie sie gegeben wird, sagt mehr als jede Anzeige.

Woran Sie eine belastbare Antwort erkennen

Belastbar sind Antworten mit einer Zahl, einem Namen oder einem Datum. Nicht belastbar sind Antworten mit „normalerweise“, „in der Regel“ und „das regeln wir individuell“.

Beispiel Taktung: „Wir nehmen uns Zeit für die Patienten“ ist keine Antwort. „Eine Behandlung dauert bis zu 60 Minuten, die FPZ-Eingangsanalyse 90 Minuten in Einzelbetreuung, und auf der Trainingsfläche betreut ein Therapeut höchstens drei Personen gleichzeitig“ ist eine - und zwar eine überprüfbare, weil Sie sich das im Haus zeigen lassen können.

Bevor Sie gehen

Fragen Sie am Ende nach einem Termin für die Rückmeldung und nach der Möglichkeit, einen halben Tag zu hospitieren, bevor Sie unterschreiben. Wer beides zusagt, hat nichts zu verbergen. Wer bei der Hospitation zögert, hat einen Grund - und den zu kennen ist mehr wert als jedes Gespräch.

Häufige Fragen dazu

Welche Fragen werden im Bewerbungsgespräch als Physiotherapeut gestellt?

In der Regel: Warum dieser Beruf, welche Zertifikatsfortbildungen Sie haben, mit welchen Indikationen Sie bisher gearbeitet haben, wie Sie befunden und dokumentieren, wie Sie mit schwierigen Patientensituationen umgehen und wann Sie anfangen könnten. Fachlich wird selten geprüft - der Engpass liegt auf Arbeitgeberseite.

Welche Fragen sollte ich als Bewerber stellen?

Vier, die sich nicht mit Floskeln beantworten lassen: Wie lang ist eine Behandlungseinheit, und wie viele Termine stehen an einem vollen Tag? Wer ist in den ersten Wochen meine Ansprechperson und wie viele Termine habe ich in Woche eins? Wie hoch ist das Fortbildungsbudget und welche Bindung ist damit verbunden? Wie weit im Voraus steht der Dienstplan?

Darf ich im ersten Gespräch nach dem Gehalt fragen?

Ja, und Sie sollten es. Praxen, die das Gehalt offen kommunizieren, bekommen nach Erfahrung von Vermittlungsdiensten mehr und bessere Bewerbungen. Formulierungen wie „leistungsgerechte Vergütung“ ohne Zahl sind ein Warnsignal, kein Angebot.

Wie lange dauert es üblicherweise bis zur Rückmeldung?

Zu lange: 71,3 Prozent der Bewerbenden erwarten die Einladung binnen zwei Wochen, aber 27,6 Prozent der Arbeitgeber brauchen mehr als vier Wochen. 58 Prozent der Jobsuchenden haben schon einmal eine Bewerbung abgebrochen, obwohl sie interessiert waren. Fragen Sie am Ende des Gesprächs nach einem konkreten Datum für die Rückmeldung.

Was sollte ich zum Gespräch mitbringen?

Urkunde über die staatliche Anerkennung, Nachweise über Zertifikatsfortbildungen und - falls vorhanden - Arbeitszeugnisse. Beim FPZ Halle sind Unterlagen für den ersten Kontakt nicht nötig; sie können zum Gespräch mitgebracht werden.

Zur Einordnung: Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung und keine individuelle Befunderhebung. Was in Ihrem Fall sinnvoll ist, klären wir im Gespräch und auf Grundlage Ihrer Verordnung.

Herausgegeben von Redaktion FPZ Rückentherapie Halle, Therapeutisches Team. Zuletzt geprüft am 29. August 2026.

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