Wissen für Therapeutinnen und Therapeuten
Wie Sie einen guten Arbeitgeber in der Physiotherapie erkennen
Belastbare Bewertungsportale für Physiotherapiepraxen gibt es kaum - in den Foren der Branche wird regelmäßig nach einem Äquivalent gefragt, ohne dass eines existiert. Beurteilen lässt sich ein Arbeitgeber trotzdem: über vier Merkmale, die sich mit einer Zahl, einem Namen oder einem Datum beantworten lassen. Weiche Merkmale wie ein nettes Team differenzieren nicht, weil sie fast überall zutreffen.
- Herausgegeben von: Redaktion FPZ Rückentherapie Halle · Therapeutisches Team
- Aktualisiert am
- 6 Minuten Lesezeit
- 4
- überprüfbare Merkmale statt Bauchgefühl
- jedes davon beantwortet sich mit einer Zahl, einem Namen oder einem Datum
- 56 %
- bleiben höchstens sechs Jahre im Betrieb
- nur 7 % länger als 20 Jahre - Fluktuation ist der Normalfall
Quelle: Janke, pt Zeitschrift für Physiotherapeuten 5/2018.
Das Problem: es gibt keine Quelle
Wer sich in der Physiotherapie über einen Arbeitgeber informieren will, findet wenig. Große Bewertungsplattformen führen für kleine Praxen selten indexierte Einzelbewertungen. Google-Bewertungen stammen fast immer von Patientinnen und Patienten - sie sagen etwas über die Behandlung, nichts über den Dienstplan.
In den Fachforen taucht die Frage nach einem Äquivalent regelmäßig auf. Etabliert hat sich keines.
Das heißt: Sie müssen selbst prüfen. Die gute Nachricht ist, dass sich ein Arbeitgeber in dieser Branche an wenigen harten Merkmalen erkennen lässt.
Warum die weichen Merkmale nichts taugen
Ein gutes Team und ein freundlicher Umgang sind die Grundvoraussetzung, nicht das Unterscheidungsmerkmal - fast jede Anzeige verspricht beides. Ein Merkmal, das nahezu jeder Betrieb erfüllt, unterscheidet nicht: Wer damit wirbt, sagt nichts, was der Wettbewerber nicht auch sagen könnte. Prüfbar wird ein Arbeitgeber erst über Dinge, die sich mit einer Zahl, einem Namen oder einem Datum beantworten lassen.
Die vier Merkmale, die zählen
1. Fortbildungsbudget und Bindung. Nicht nur „wir zahlen Fortbildungen“, sondern: welche, in welcher Höhe, mit welcher Bindungsdauer, und kosten Kurstage Urlaub?
2. Dienstplanvorlauf. Über die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben entscheidet der Vorlauf mehr als die Stundenzahl.
3. Einarbeitung. Feste Ansprechperson mit Namen, reduzierte Terminlast in den ersten Wochen, wiederkehrende Fallbesprechung. Ein schlechtes Onboarding gilt als häufigster Kündigungsgrund der Branche.
4. Verantwortung nach einem Jahr. 74 Prozent sehen keine Aufstiegsmöglichkeit, 63 Prozent können für keinen Bereich Verantwortung übernehmen. Fragen Sie, wofür Sie nach zwölf Monaten zuständig wären.
Die zwei Fragen, die am meisten verraten
„Wer hat in den letzten zwei Jahren gekündigt, und warum?“ Jeder Praxisinhaber kennt die Antwort. Ob sie kommt, und in welchem Ton, sagt mehr als die Antwort selbst.
„Kann ich einen halben Tag hospitieren, bevor ich unterschreibe?“ Ein Vormittag im Betrieb zeigt Taktung, Umgangston, Organisation und Stimmung - alles Dinge, die im Gespräch nicht sichtbar werden. Wer zusagt, hat nichts zu verbergen.
Wenn Sie sich Notizen machen
Legen Sie für jeden Arbeitgeber eine Zeile mit vier Spalten an. Am Ende steht kein Bauchgefühl, sondern ein Vergleich - und der überlebt auch das gute Gefühl nach einem sympathischen Gespräch.
Häufige Fragen dazu
Gibt es Bewertungsportale für Physiotherapiepraxen als Arbeitgeber?
Kaum. Große Arbeitgeber-Bewertungsplattformen enthalten für kleine Praxen selten indexierte Einzelbewertungen, und in den Fachforen wird regelmäßig nach einem Äquivalent gefragt, ohne dass sich eines etabliert hätte. Google-Bewertungen einer Praxis stammen fast immer von Patienten, nicht von Mitarbeitenden.
Welche Merkmale unterscheiden Arbeitgeber wirklich?
Fortbildungsbudget samt Bindung, Dienstplanvorlauf, Einarbeitung mit fester Ansprechperson und Verantwortungsbereiche nach einem Jahr.
Warum sagt ein nettes Team nichts aus?
Weil es fast jede Anzeige verspricht. Ein gutes Team ist die Grundvoraussetzung, nicht das Unterscheidungsmerkmal. Aussagekräftig sind Fortbildungsbudget, Dienstplanvorlauf, Einarbeitung und Verantwortungsbereiche - vier Punkte, die sich mit einer Zahl, einem Namen oder einem Datum beantworten lassen.
Was sagt die Fluktuation über einen Arbeitgeber?
Mehr als jede Anzeige. In der Branche geben 56 Prozent eine Betriebszugehörigkeit von höchstens sechs Jahren an. Fragen Sie konkret, wer in den letzten zwei Jahren gegangen ist und warum - und achten Sie darauf, ob die Antwort kommt oder ausweicht.
Kann ich vor der Zusage hospitieren?
Fragen Sie danach. Ein halber Tag im Betrieb zeigt Taktung, Umgangston und Organisation deutlicher als drei Gespräche. Ein Arbeitgeber, der zögert, hat einen Grund - und den zu kennen ist wertvoll.