Ratgeber · Rezept und Kasse
Langfristiger Heilmittelbedarf: wann Physiotherapie dauerhaft verordnet wird
Langfristiger Heilmittelbedarf heißt, dass Physiotherapie bei schweren dauerhaften Schädigungen ohne Begrenzung durch die orientierende Behandlungsmenge verordnet werden kann, laut Heilmittel-Richtlinie für bis zu zwölf Wochen je Verordnung. Steht Ihre Diagnose mit dem passenden ICD-10-Code auf der Diagnoseliste in Anlage 2, gilt die Genehmigung als erteilt. Für andere Diagnosen stellen Sie einen Antrag bei Ihrer Krankenkasse. Beim FPZ Halle laufen Behandlungen Montag bis Freitag von 07:00 bis 21:00 Uhr.
- Herausgegeben von: Redaktion FPZ Rückentherapie Halle · Therapeutisches Team
- Aktualisiert am
- 6 Minuten Lesezeit
- 10 %
- Zuzahlung, unverändert
- plus 10 Euro je Verordnung, auch bei Langzeitverordnung
- 1 %
- Belastungsgrenze bei chronisch Kranken
- statt 2 Prozent der jährlichen Bruttoeinnahmen
Quelle: Anlage 2 zur Heilmittel-Richtlinie; § 62 SGB V.
Worum es geht
Normalerweise ist die Menge der verordneten Behandlungen begrenzt: Die Heilmittel-Richtlinie nennt für jede Diagnosegruppe eine orientierende Behandlungsmenge, und wer darüber hinaus behandelt werden muss, braucht eine ärztliche Begründung.
Beim langfristigen Heilmittelbedarf entfällt diese Begrenzung. Gedacht ist das für Menschen mit einer schweren dauerhaften funktionellen oder strukturellen Schädigung, bei denen die Therapie den Zustand über Jahre hält, statt auf ein Behandlungsziel in einigen Wochen hinzuarbeiten. Eine Verordnung kann dann laut Heilmittel-Richtlinie bis zu zwölf Wochen abdecken.
Der entscheidende Punkt: die Diagnoseliste
Der Gemeinsame Bundesausschuss führt eine Liste von Diagnosen, bei denen ein langfristiger Heilmittelbedarf ohne weitere Prüfung anerkannt ist. Sie ist als Anlage 2 zur Heilmittel-Richtlinie veröffentlicht.
Steht Ihre Diagnose mit dem passenden ICD-10-Code darauf, gilt die Genehmigung als erteilt. Es braucht keinen Antrag und keine Zustimmung der Kasse.
Zwei Dinge sind dafür wichtig:
Der Code muss stimmen. Maßgeblich ist der genaue ICD-10-Code samt Zusatzkennzeichen, die Bezeichnung der Erkrankung reicht nicht. Bitten Sie die verordnende Praxis, ihn auf der Verordnung anzugeben.
Die Schädigung muss zur Liste passen. Gelistet sind überwiegend schwere neurologische, orthopädische und onkologische Erkrankungen. Ein chronischer Rückenschmerz ohne strukturelle Schädigung gehört in aller Regel nicht dazu.
Wenn Ihre Diagnose nicht gelistet ist
Dann bleibt der Weg über den Antrag. Die verordnende Praxis begründet, warum ein langfristiger Bedarf besteht, Sie reichen den Antrag bei Ihrer Krankenkasse ein.
Die Kasse muss darüber zügig entscheiden. Entscheidet sie nicht innerhalb der gesetzlichen Frist und teilt Ihnen auch keinen Grund für die Verzögerung mit, gilt die Genehmigung als erteilt. Bewahren Sie deshalb den Nachweis über den Eingang Ihres Antrags auf.
Was eine Langzeitverordnung nicht ist
Sie ist kein Freibrief ohne ärztliche Kontrolle. Die verordnende Praxis bleibt in der Verlaufskontrolle, und Sie stellen sich weiterhin vor. Es entfällt die Begründung für die Menge, die ärztliche Begleitung bleibt.
Sie ist auch keine Befreiung von der Zuzahlung. Die bleibt bei 10 Prozent plus 10 Euro je Verordnung. Wer allerdings dauerhaft behandelt wird, sollte die Belastungsgrenze im Blick behalten: Für chronisch Kranke in Dauerbehandlung liegt sie bei 1 Prozent der jährlichen Bruttoeinnahmen statt bei 2.
Wenn keine Langzeitverordnung möglich ist
Bei chronischen Rückenbeschwerden ohne gelistete Diagnose ist die Langzeitverordnung meist nicht der Weg. Dann geht es um etwas anderes: um ein Programm mit Anfang und Ende, das die Belastbarkeit messbar erhöht, statt den Zustand über Jahre zu halten.
Dafür sind gerätegestützte Aufbauprogramme gedacht - mit Eingangsmessung, Trainingsphase und Abschlussmessung. Was sich dabei verändert hat, steht danach schwarz auf weiß.
So ist es beim FPZ Halle
Bei uns lösen Sie Verordnungen über Krankengymnastik, Manuelle Therapie, Krankengymnastik am Gerät und Manuelle Lymphdrainage ein, dazu physikalische Anwendungen. Eine Behandlung dauert bis zu 60 Minuten, im 20-Minuten-Takt arbeiten wir nicht. Über 20 Therapeutinnen und Therapeuten behandeln Montag bis Freitag von 07:00 bis 21:00 Uhr, frühe und späte Termine sind erfahrungsgemäß schneller frei. Bei chronischen Rückenbeschwerden ohne gelistete Diagnose kommt die FPZ Rückentherapie in Betracht, typischerweise 24 Einheiten über zwölf bis 14 Wochen. Die Praxis liegt im Ritterhaus, Leipziger Straße 90-92, 3. Etage.
Häufige Fragen dazu
Kann Physiotherapie dauerhaft verschrieben werden?
Ja, bei langfristigem Heilmittelbedarf. Voraussetzung ist eine schwere dauerhafte funktionelle oder strukturelle Schädigung. Für die in der Anlage 2 zur Heilmittel-Richtlinie gelisteten Diagnosen gilt die Genehmigung als erteilt, für andere kann sie bei der Krankenkasse beantragt werden.
Welche Diagnosen berechtigen zur Langzeitverordnung?
Die Liste führt Diagnosen mit dem jeweiligen ICD-10-Code, überwiegend aus der Neurologie, Orthopädie und Onkologie - etwa Multiple Sklerose, Zustand nach Schlaganfall mit anhaltenden Funktionsstörungen, Querschnittlähmung oder bestimmte Systemerkrankungen. Maßgeblich ist der genaue Code auf der Verordnung.
Wie beantrage ich eine Langzeitverordnung, wenn meine Diagnose nicht gelistet ist?
Über einen Antrag bei Ihrer Krankenkasse. Die verordnende Praxis begründet den langfristigen Bedarf, die Kasse entscheidet. Über einen genehmigungspflichtigen Antrag muss sie zügig entscheiden; erfolgt keine Entscheidung innerhalb der gesetzlichen Frist, gilt die Genehmigung als erteilt.
Was ändert sich mit einer Langzeitverordnung im Alltag?
Die Verordnungsmenge ist nicht mehr durch die orientierende Behandlungsmenge begrenzt, und es braucht keine gesonderte Begründung für weitere Verordnungen. Die ärztliche Verlaufskontrolle bleibt bestehen - eine Langzeitverordnung ist kein Dauerrezept ohne Wiedervorstellung.
Gilt die Zuzahlung auch bei Langzeitverordnungen?
Ja, unverändert 10 Prozent der Kosten plus 10 Euro je Verordnung. Wer dauerhaft in Behandlung ist, erreicht die Belastungsgrenze allerdings schneller - bei chronisch Kranken liegt sie bei 1 Prozent der Bruttoeinnahmen im Jahr.
Was ist ein langfristiger Heilmittelbedarf?
Ein langfristiger Heilmittelbedarf liegt vor, wenn eine schwere dauerhafte funktionelle oder strukturelle Schädigung eine Behandlung über lange Zeit nötig macht. Die Verordnungsmenge ist dann nicht durch die orientierende Behandlungsmenge begrenzt, und eine Verordnung kann bis zu zwölf Wochen abdecken. Für Diagnosen der Anlage 2 zur Heilmittel-Richtlinie gilt er als genehmigt.
Welche Heilmittel bietet das FPZ Halle bei langfristigem Heilmittelbedarf an?
Das FPZ Halle rechnet Krankengymnastik, Manuelle Therapie, Krankengymnastik am Gerät und Manuelle Lymphdrainage auf ärztliche Verordnung ab. Welche davon in Frage kommt, steht auf Ihrer Verordnung. Behandelt wird Montag bis Freitag von 07:00 bis 21:00 Uhr, eine Behandlung dauert bis zu 60 Minuten.